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Rekonstruktive Chirurgie

Als Folge von Unfällen, aber auch von Tumoroperationen oder anderen Erkrankungen, können Weichgewebedefekte entstehen. Hierbei können unterschiedliche Gewebetypen wie Haut, Fettgewebe, Muskeln oder Knochen fehlen. Es ist eine der fundamentalen Arbeitsgebiete der Plastischen Chirurgie, diese Gewebedefekte mittels Gewebetransplantationen wiederherzustellen. Neben den funktionellen Ausfällen ist es ein hohes Ziel der Plastischen Chirurgie, eine ästhetische Wiederherstellung der Körperform zu erreichen. Uns stehen unterschiedliche Techniken der Gewebeauffüllung von der einfachen Hauttransplantation bis zur Transplantation von komplexen Gewebeanteilen unter zu Hilfenahme mikrochirurgischer Techniken zur Verfügung. In Abhängigkeit vom Befund kann auch eine Volumenauffüllung mittels Fremdmaterialien (z.B. Silikonimplantate) notwendig sein.

im OP-Saal
im OP-Saal

Leider kann nicht bei jedem Patienten das technisch Mögliche realisiert werden. Es ist uns ein besonderes Anliegen, realistische Operationen ohne erhöhtes Risiko für unsere Patienten durchzuführen. Im individuellen Gespräch und nach eingehender präoperativer Untersuchung erstellen wir für jeden Patienten einen eigenen Rekonstruktionsplan.

Wiederherstellung der weiblichen Brust

Wiederherstellung der weiblichen Brust

Der Brustkrebs ist die häufigste Krebsform bei der Frau und somit einer der häufigsten Krebsarten überhaupt. Durch neue Operationsverfahren kann der operativ tätige Gynäkologe sehr häufig die Brust dennoch erhalten (Brusterhaltende Therapie, BeT). Auch bei einer BeT kann allerdings eine deutliche Formveränderung der Brust und somit eine Asymetrie zur Gegenseite auftreten. Hier kann eine plastisch-chirurgische Beratung empfehlenswert sein.

Leider ist nicht bei allen Frauen eine BeT möglich. Nach einer medizinisch notwendigen Brustamputation kann die Brust aber wiederaufgebaut werden. Lassen Sie sich durch Ihren behandelnden Gynäkologen und einen Plastischen Chirurgen beraten. Gemeinsam treffen Sie die Entscheidung für oder gegen eine Brustrekonstruktion und, ob der Wiederaufbau sofort oder erst später durchgeführt werden soll.

Es gibt eine breite Palette möglicher Rekonstruktionsverfahren für die Brust. Wir möchten Ihnen die aus unserer Sicht wichtigsten vorstellen. Individuelle Besonderheiten können aber auch andere Verfahren notwendig machen.

Brustrekonstruktion mit Implantaten

Nach einer Brustamputation besteht die Möglichkeit, durch das Einlegen von Silikongelimplantaten unter die Haut, die normale Brustform nachzubilden. Hierzu ist ausreichend Haut notwendig, die meist nach der Brustentfernung fehlt. Die notwendige Haut muss nun zunächst durch Überdehnung gewonnen werden. Dazu wird in einem ersten Eingriff ein Hautexpander eingesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Silikonhülle, die über ein unter der Haut liegendes Ventil von außen mit Kochsalzlösung gefüllt werden kann. Durch langsames Auffüllen über mehrere Wochen bis Monate wird die Haut in kleinen Schritten gedehnt. Dieser Expander kann entweder gleich bei der Tumoroperation oder auch erst später eingesetzt werden.
Nachdem durch den Expander die Haut ausreichend überdehnt wurde, wird meist einige Monate später ein zweiter Operationstermin angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt wird dann erst das endgültige Implantat eingelegt und die neue Brust geformt. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in den kurzen Operationszeiten von ca. 1 bis 1,5 h pro Eingriff. Allerdings sind zwei Eingriffe notwendig. Auch muss die Patientin in der Zeit der Expanderfüllung meist in wöchentlichen Abständen Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Die mit Implantat rekonstruierte Brust ist immer fester zu tasten und fällt auch nicht so natürlich wie körpereigenes Gewebe. Häufig wird von den Patientinnen eine Korrektur der Gegenseite mit Anhebung der Brust gewünscht, um eine möglichst gute Symmetrie zu erreichen.
Erwähnt werden muss auch, dass bei Patientinnen, die eine Bestrahlung bekommen sollen oder bei denen bereits eine Bestrahlung stattgefunden hat, aufgrund der durch die Bestrahlung auftretenden Veränderungen der Haut, eine Rekonstruktion mit Implantaten nicht in Frage kommt. Hier empfehlen wir die Brustrekonstruktion mit Eigengewebe. Auch kann die Tumornachsorge aufgrund des eingebrachten Implantates schwieriger sein.

Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe

Der Wiederaufbau der Brust mit körpereigenem Gewebe kann durch mikrochirurgische Techniken mit Weichgewebe aus unterschiedlichen Körperregionen durchgeführt werden. Die wichtigsten "Gewebespender" sind der breite Rückenmuskel (Latissimus dorsi-Lappen), das Hautfettgewebe der Gesäßregion (S-GAP/I-GAP-Lappen) oder das Hautfettgewebe vom Unterbauch (TRAM - oder DIEP-Lappen).
Ein aus unserer Sicht ideales Verfahren stellt die Brustrekonstruktion unter Verwendung des Hautfettgewebes des Unterbauches als freien TRAM - oder DIEP-Lappen dar. Bei dieser Operationsart wird der bei vielen Frauen vorhandene Überschuss an Haut und Unterhautfettgewebe vom Bauch zum Brustaufbau verwendet. Die Entfernung dieses Überschusses am Bauch hat als positiven Nebeneffekt eine Bauchdeckenstraffung. Diese Operation sollte aber nur von erfahrenen Mikrochirurgen ausgeführt werden. Durch die notwendigen feinsten Arbeiten unter optischer Vergrößerung ist es heute möglich, nur noch eine kleine Spindel Muskulatur (TRAM) oder sogar nur die versorgenden Gefäße selbst (DIEP) mit dem Gewebe zu entfernen (siehe "Perforatorlappenplastik"). Durch diese moderne Operationstechnik kann das Risiko für eine nach der Operation auftretende Bauchwandschwäche oder auch eines Bauchwandbruches deutlich gesenkt werden.
Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sich die rekonstruierte Brust wie normales Brustgewebe verhält, d.h. sie unterliegt dem natürlichen Prozess der Gewebeveränderung (z.B. bei Gewichtszu- oder -abnahme, Alterungsprozessen usw.). Außerdem besteht kein Fremdkörpergefühl, und die Risiken der Brustimplantate, wie z.B. das Entstehen einer Kapselfibrose, entfallen. Durch diese Methode kann die natürlichste Brustform erreicht werden. Gleichzeitig wird der Bauch im Sinne einer Bauchdeckenstraffung gestrafft.
Einen Nachteil stellen die lange Operationsdauer (bis zu 6 Stunden), eine Narbe an der Entnahmestelle und in seltenen Fällen eine Bauchwandschwäche dar.

Im Folgenden möchten wir Ihnen das von uns bevorzugte Operationsverfahren im Detail darstellen:

Durchführung

Die Operation erfolgt in Vollnarkose, idealer Weise parallel durch 2 OP-Teams. Das erste Team bereitet die Brust vor. Hier werden die Blutgefäße zum Anschluss des Unterbauchfettlappens an die Blutversorgung und das umgebende Brustgewebe für die spätere Brustformung vorbereitet. Das zweite Team präpariert den Unterbauchhautfettlappen, welcher vollständig von der Bauchwand gelöst und aus dem anschließend die neue Brust geformt wird. Die für die Blutversorgung notwendigen Blutgefäße des Lappens werden unter dem Mikroskop mikrochirurgisch mit den entsprechenden Gefäßen an der Brustwand verbunden. Die Bauchwand wird wie bei einer Bauchdeckenstraffung verschlossen. Die Bauchmuskeln werden bei dieser modernen Operationstechnik nicht mehr beeinträchtigt.

Risiken des Eingriffs

Das Hauptrisiko stellt eine mangelnde Durchblutung des verpflanzten Unterbauchhautfettgewebes durch die Brustwandgefäße dar. Dies kann den Verlust der Lappenplastik und damit der wiederhergestellten Brust bedeuten. Diese Komplikation ist dramatisch, wenn auch sehr selten. Das Risiko einer Bauchwandschwächung wurde bereits weiter oben erwähnt, sonst gelten die allgemeinen Operationsrisiken wie Wundinfektion, Wundheilungsstörung, Gefühlsstörungen, Lymphabflussstörungen, Thrombose- und Embolierisiko etc. Wie vor jeder anderen Operation auch, werden Sie von uns in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch individuell über die Operation und deren mögliche Komplikationen informiert.

Nachbehandlung

Richten Sie sich auf einen Krankenhausaufenthalt von ca. 10 Tagen ein. Die Zeitdauer bis zur vollständigen Erholung ist individuell sehr unterschiedlich.
8 bis 12 Wochen körperliche Schonung sollten Sie einplanen, danach können sportliche Betätigungen langsam wieder begonnen werden.
Eine Tumornachsorge nach der Operation kann durch Ultraschall oder MRT (Kernspin) bei Ihrem weiterbehandelnden Arzt erfolgen.

Brustwarzenrekonstruktion

Die Brustwarzenrekonstruktion wird erst ca. 4-6 Monate nach der Brustrekonstruktion durchgeführt. Diese Zeitspanne ist notwendig, damit eventuelle Schwellungszustände, die ein normales Fallen der Brust verhindern, sicher abgeklungen sind. Nun kann die Position für die Brustwarze festgelegt werden. Der Eingriff erfolgt im Rahmen eines kurzen Klinikaufenthaltes von 2-3 Tagen. Zur Formung des Nippels wird eine kleine Lappenplastik aus der wieder aufgebauten Brust verwendet, und der Brustwarzenvorhof aus einem Hauttransplantat aus der Leiste nachgebildet oder auftätowiert.

Die gegenseitige Brust

In manchen Fällen kann durch die Brustrekonstruktion keine komplette Symmetrie zur Gegenseite erreicht werden. Hier kann in einem zweiten Schritt eine Angleichung der gegenseitigen Brust durch eine Straffung oder Verkleinerung erfolgen. Diese Operation wird als "angleichende Straffung/Verkleinerung" bezeichnet und wird meist von den Krankenkassen bezahlt. Ein guter Zeitpunkt für eine angleichende Straffung ist der Klinikaufenthalt zur Brustwarzenrekonstruktion.

Korrektur von Fehlbildungen der Brust

Korrektur von Fehlbildungen der Brust

Brustwachstumsstörungen/Brustfehlbildungen

Fehlbildungen der weiblichen Brust sind keine Seltenheit. Es gibt ein breites Spektrum von Brustwachstumsstörungen bzw. Brustfehlbildungen. Schwere angeborene Fehlbildungen mit Brustwandverformung oder fehlender Muskulatur werden in der Regel bereits in der frühen Kindheit festgestellt (z.B. Poland-Syndrom). Ist lediglich die Brustdrüse betroffen, wird dies meist erst mit einsetzendem Brustwachstum in der Pubertät auffällig. Die ganze Brustdrüse oder auch nur ein Teil davon kann auf einer oder beiden Seiten fehlen, die Brustwarze oder der Warzenvorhof kann nur zum Teil oder gar nicht entwickelt sein. Am häufigsten sind die unteren Anteile der Brustdrüse unterentwickelt, häufig in Kombination mit übergroßen Brustwarzen, durch die Anteile des Brustdrüsenkörpers vorfallen. Diese Fehlbildung wird tuberöse Brust (engl. "Snoopy nose breast") genannt.
Es kann aber auch ein Überschuss an Brustdrüsengewebe (Makromastie) oder die Anlage mehrerer Brustwarzen bestehen. Meistens geht mit der Brustwachstumsstörung bzw. der Fehlbildung eine deutliche Asymmetrie der Brüste einher, die von den betroffenen Patientinnen mehr oder weniger gut "versteckt" werden kann. Fehlhaltungen können die Folge sein und statische Probleme mit Rückenschmerzen nach sich ziehen.

Korrekturoperationen

Wegen der Vielzahl an Formvarianten bei Brustwachstumsstörungen/ Brustfehlbildungen ist bei jeder Patientin ein individuelles Behandlungskonzept notwendig. Je nach Befund kann das gesamte Spektrum der Brustrekonstruktion notwendig werden. Wir bieten in unserer plastisch-chirurgischen Klinik die Korrektur aller Wachstumsstörungen und Fehlbildungen der weiblichen Brust nach einem individuellen Beratungsgespräch an.

Defektdeckung nach Verletzung

Defektdeckung nach unfallbedingten Weichgewebsverletzungen

Sogenannte Hochrasantsverletzungen, wie sie z.B. bei Verkehrsunfällen entstehen können, hinterlassen neben Knochenbrüchen häufig auch Weichgewebsdefekte. Dass solche offenen Knochenbrüche schwerste Verletzungen darstellen, belegt die Tatsache, dass noch um das Jahr 1900 ein isolierter offener Unterschenkelbruch (freiliegender Knochenbruch) mit einer Sterbewahrscheinlichkeit von ca. 30% vergesellschaftet war. Dies ist heute glücklicherweise nicht mehr so. Aber schwere Weichteilverletzungen stellen immer noch eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar.

Dem Plastischen Chirurgen als Spezialisten für Weichgewebswiederherstellung stehen viele Verfahren zur Rekonstruktion zur Verfügung. Diese reichen von der "einfachen" Hautverpflanzung bis hin zu hochkomplexen mikrochirurgischen Operationsverfahren. Bei der Versorgung Unfallverletzter arbeitet der Plastische Chirurg eng im Team mit dem Unfallchirurgen und Ärzten anderer Disziplinen zusammen.

Je nach Ausmaß der Gewebszerstörung wird in Absprache mit allen beteiligten Ärzten und dem Patienten ein individueller Rekonstruktionsplan erstellt. Unsere Klinik bietet Ihnen das gesamte Spektrum der Rekonstruktionsverfahren, einschließlich der neuesten sogenannten "Perforatorlappenplastiken" an.

Perforatorlappenplastiken

In der rekonstruktiven plastischen Mikrochirurgie ist die Verpflanzung von Gewebeblöcken aus Haut und Unterhaut zur Deckung von Gewebedefekten Routine. Ziel jedes wiederherstellenden Eingriffes ist es, eine sichere Heilung der Defektwunde bei gleichzeitiger minimaler Beeinträchtigung der Entnahmestelle des Gewebeblocks zu erreichen. Aus dieser Überlegung heraus wurden in den letzten Jahren die sogenannten "Perforatorlappen" entwickelt. War es früher fast immer notwendig, Gewebeblöcke mit Muskulatur zu entnehmen - und damit verbunden ist immer ein Funktionsausfall an der Entnahmestelle - , so ist es heute durch die "Perforatorlappen" möglich, die Muskulatur intakt zu lassen.
Als "Perforatoren" bezeichnet man kleinste Blutgefäße, die durch die Muskulatur oder durch Bindegewebssepten ziehen und die darüberliegende Haut/Unterhaut mit Blut versorgen. Diese "Perforatoren" können in mikrochirurgischer Technik sehr aufwändig aus der Muskulatur frei präpariert werden. In der Tiefe werden diese Gefäße abgetrennt und der gesamte Gewebeblock entnommen. Der Muskel bleibt dabei intakt, seine Funktion erhalten. In der Empfängerregion muss dann der mikrochirurgische Anschluss mindestens einer Arterie und einer Vene erfolgen.
"Perforatorlappenplastiken" finden in der modernen Plastischen Chirurgie breiten Einsatz.

Defektdeckung nach Tumoroperationen

Defektdeckung nach Tumoroperationen

Das medizinische Fachwort "Tumor" bedeutet "umschriebene Gewebevermehrung" oder "Geschwulst". Ein Tumor kann als sowohl gutartig als auch bösartig sein. Gleichwohl ist das Wort "Tumor" negativ belegt und weckt häufig Ängste.
Tumore können prinzipiell an jeder Körperregion auftreten und werden in der Regel durch eine Operation behandelt. Der Plastische Chirurg beschäftigt sich mit der Entfernung und dem anschließenden Wundverschluss von Tumoren der Körperoberfläche und des Weichgewebes.
Nicht selten entstehen bei der Entfernung von Tumoren so große Wunden, dass ein einfacher Hautverschluss nicht mehr möglich ist. Hier kann die Plastische Chirurgie durch ihre spezialisierten Operationsmethoden helfen, entstellende Narben zu vermeiden oder die komplette Entfernung eines Tumors überhaupt erst möglich zu machen.

Defektdeckung nach Tumoren

Die Gesichts-/Halsregion und die Hände sind wie kein anderes Gebiet des Körpers dem Sonnenlicht ausgesetzt. Deshalb treten in diesen Bereichen vermehrt Hautveränderungen auf, deren Ursache in der UV-Bestrahlung liegt. Diese Veränderungen sind meist zunächst gutartig, können aber in einen bösartigen Tumor entarten. Teilweise entstehen auch direkt bösartige Zellen, die einen Hauttumor verursachen.
Im Gesicht können aber auch gutartige Geschwülste eine chirurgische Entfernung notwendig machen, wenn diese ästhetisch störend sind oder an Größe zunehmen. Auch hier kann der ausgebildete Plastisch-Ästhetische Chirurg durch geeignete Operationstechniken die Harmonie des Gesichtes erhalten bzw. wiederherstellen.
Leider verhalten sich alle Hautkrebsarten mehr oder weniger aggressiv. Die operative Entfernung unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes sollte daher in allen Fällen durchgeführt werden. Dies kann im Einzelfall zu beträchtlichen Hautdefekten im Gesicht führen.
Da das Operationsgebiet in der Regel nicht unter Kleidung "versteckt" werden kann, ist der Erhalt der Form und Symmetrie des Gesichtes immens wichtig. Durch spezielle Operationstechniken kann der Plastische Chirurg die Narbenbildung auf ein Minimum reduzieren. Zudem verheilen Narben im Gesicht meist sehr gut und werden fast unsichtbar, wenn sie richtig angelegt wurden.
In der Regel werden solche Operationen zweizeitig ausgeführt, dass heißt, es wird zunächst der sichtbare Hauttumor mit Sicherheitsabstand entfernt. Nach Erhalt des endgültigen feingeweblichen Untersuchungsergebnisses erfolgt dann der Wundverschluss meist einige Tage später. In der Zwischenzeit wird die Wunde mit Kunsthaut abgedeckt.

Weichteiltumore

Geschwülste, die das Gewebe unter der Haut betreffen, werden in der Regel als Weichteiltumore bezeichnet. Erkennbar sind sie an tastbaren oder sichtbaren Schwellungen unter der Haut. Oft ist eine genaue Festlegung, ob ein gutartiger oder bösartiger Tumor vorliegt, erst nach der operativen Entfernung möglich. Das entfernte Gewebestück wird hierfür einem Pathologen übergeben, der durch spezielle Untersuchungstechniken die Herkunft des Tumors bestimmen kann. Gutartige Tumoren sind z.B. Lipome (Fettgewebsgeschwulste), die beträchtliche Größen erreichen können und dadurch, neben dem ästhetischen Aspekt, zu funktionellen Beeinträchtigungen führen können. Sie durchwachsen und zerstören jedoch keine anderen Gewebe im Gegensatz zu bösartigen Tumoren.
Bösartige Weichteiltumoren werden in der Regel als Sarkome bezeichnet.

Behandlung von Druckgeschwüren

Druckgeschwüre - Dekubitalgeschwüre

Die Behandlung von Dekubitalgeschwüren ist nach wie vor eine Herausforderung für den Plastischen Chirurgen. Leider nimmt die Zahl der Patienten - auch aufgrund der demographischen Entwicklung - ständig zu. Meist hat man es nicht nur mit einer "Problemwunde" zu tun, sondern auch mit einem älteren, häufig kranken, pflegebedürftigen Menschen. Dies bedeutet, dass die erfolgreiche Behandlung von Patienten mit Dekubitalgeschwüren nur im Team aus qualifizierten Pflegekräften und Plastischen Chirurgen gelingt. Es bedarf hier, neben dem notwendigen erheblichen pflegerischen Aufwand, auch eine genauen, individuellen Planung des operativen Vorgehens.

Leider kann - trotz hohen Einsatzes - nicht jedes Druckgeschwür zur Abheilung gebracht werden.

Periphere Nervenchirurgie und Muskelverlagerungen

Periphere Nervenchirurgie und Muskelverlagerungen

Durch Unfälle oder durch Operationen (z.B. Tumorchirurgie) kann es zur Verletzung von Nerven kommen. Nervenverletzungen können unterschiedliche Auswirkungen haben. Es können Bewegungsausfälle ("motorischer Nerv"), Sensibilitätsstörungen ("sensibler Nerv"), eine Kombination aus beidem oder auch "nur" starke Schmerzen auftreten. Es gibt eine Vielzahl von Operationsmöglichkeiten, um die einzelnen Probleme anzugehen. Wichtig ist eine eingehende Untersuchung, einschließlich der Messung der Nervenströme, um das Verletzungsausmaß und den Verletzungsort eingrenzen zu können. Dies erfolgt meist in enger Zusammenarbeit mit einem Neurologen.
Das Spektrum der wiederherstellenden Operationen reicht von mikrochirurgischen Nervennähten über Nerventransplantationen bis zur Verlagerung von Muskeln.
Solche Muskelumlagerungen sollen eventuell bestehende Lähmungen ausgleichen.
Hierzu gibt es standardisierte Operationsverfahren, um den Ausfall von einzelnen Nerven auszugleichen.

Welches Verfahren in Frage kommt, klärt der Plastische Chirurg nach gründlicher Untersuchung mit Ihnen.

Verbrennungschirurgie

Verbrennungschirurgie

In unserer Klinik werden sowohl Akutverbrennungen als auch Verbrennungsfolgen behandelt. Wir können Ihnen viele Verfahren eines Verbrennungszentrums anbieten, sind aber kein Schwerstbrandverletztenzentrum, da die hierfür notwendige bauliche, apparative und personelle Ausstattung von uns nicht vorgehalten werden kann. Die nächsten Kliniken für Schwerstbrandverletzte befinden sich in Dortmund und Bochum. Gleichwohl ist nach der Erstversorgung in unserer Klinik ein Intensivtransport in ein Schwerstbrandverletztenzentrum möglich. Auch bieten wir, nach Abschluss der intensivpflichtigen Phase, die Weiterbehandlung oder Nachbetreuung in unserer Klinik an.

Folgende Behandlungen können wir anbieten:

  • Komplettbehandlung kleinflächiger Verbrennungen
  • Erstversorgung und intensivmedizinische Stabilisierung des Gesichts
  • Beurteilung von Verbrennungsausmaß und -tiefe
  • Escharotomie, Debridment, Nekrosektomie
  • Deckung mit Spalthaut, Vollhaut, Integra, Matriderm, Suprathel oder Syspurderm
  • Narbenkorrekturen und Hautplastiken
  • Gewebeexpansionen
  • Freier mikrochirurgischer Gewebetransfer
Mikrochirurgie

Mikrochirurgie

Mit Hilfe der modernen Mikrochirurgie lassen sich selbst feinste Strukturen, wie z. B. Fingernerven und Fingerblutgefäße, wiederherstellen. Unter Operationsmikroskopen oder mit Lupenbrillen können mit feinsten Instrumenten und Fäden, die dünner sind als ein menschliches Haar, selbst kleinste Strukturen wiederhergestellt werden. Diese Verfahren ermöglichen uns einerseits die Rekonstruktion von komplexen Defekten bis hin zur Replantation von Fingern, Händen und selbst ganzen Gliedmaßen. Andererseits werden durch diese Verfahren auch komplexe Gewebetransplantationen ermöglicht. Dies kann nach Unfällen, Infektionen, Tumorerkrankungen oder nach Komplikationen von vorausgegangen Operationen notwendig werden. Dabei werden verschiedenste Gewebe, wie z.B. Muskel, Knochen, Fettgewebe, Haut usw., häufig in Kombination an einer Stelle des Körpers entnommen und nach mikrochirurgischem Anschluss von kleinsten Arterien, Venen und ggf. Nerven zur Rekonstruktion eines solchen Gewebedefektes verwendet. Moderne sogenannte "Perforatorlappen" erlauben dabei ein besonders gewebeschonendes Vorgehen, da hierbei meist auf die Transplantation von Muskulatur zur reinen Gewebsauffüllung verzichtet werden kann.

Folgende Eingriffe werden durch den Einsatz der Mikrochirurgie ermöglicht:

  • Wiederherstellen von Nervenfunktionen
  • Bewegung wiederherstellende Operationen im Gesicht und an den Extremitäten
  • Replantation (Wiederanpflanzen) abgetrennter Körperteile
  • Wiederherstellende Gesichtschirurgie
  • Freie Lappenplastiken zur Wiederherstellung der Extremitäten nach Unfällen oder Tumoren
  • Freie Knochentransplantationen mit mikrovaskulärem Anschluss
  • Zehenverpflanzung an die Hand nach Daumenverlust

Perforlappentechnik

In der rekonstruktiven plastischen Mikrochirurgie ist die Verpflanzung von Gewebeblöcken aus Haut und Unterhaut zur Deckung von Gewebedefekten Routine. Ziel jedes wiederherstellenden Eingriffes ist es, eine sichere Heilung der Defektwunde bei gleichzeitiger minimaler Beeinträchtigung der Entnahmestelle des Gewebeblocks zu erreichen. Aus dieser Überlegung heraus wurden in den letzten Jahren die sogenannten "Perforatorlappen" entwickelt. War es früher fast immer notwendig, Gewebeblöcke mit Muskulatur zu entnehmen - und damit verbunden ist immer ein Funktionsausfall an der Entnahmestelle - , so ist es heute durch die "Perforatorlappen" möglich, die Muskulatur intakt zu lassen.
Als "Perforatoren" bezeichnet man kleinste Blutgefäße, die durch die Muskulatur oder durch Bindegewebssepten ziehen und die darüberliegende Haut/Unterhaut mit Blut versorgen. Diese "Perforatoren" können in mikrochirurgischer Technik sehr aufwändig aus der Muskulatur frei präpariert werden. In der Tiefe werden diese Gefäße abgetrennt und der gesamte Gewebeblock entnommen. Der Muskel bleibt dabei intakt, seine Funktion erhalten. In der Empfängerregion muss dann der mikrochirurgische Anschluss mindestens einer Arterie und einer Vene erfolgen.
"Perforatorlappenplastiken" finden in der modernen Plastischen Chirurgie breiten Einsatz.

Einer unserer Leitsätze stammt von Gaspar Tagliacozzi (1554-1599). Er war einer der ersten Plastischen Chirurgen und schrieb 1597 in seinem Werk „CIRURGIA CURTORUM“:

„Wir stellen wieder her und vervollständigen Teile des Körpers, die uns von Natur gegeben, jedoch vom Schicksal zerstört wurden.
Wir tun dies nicht so sehr zur Befriedigung unseres Auges, als zur psychischen Wiederherstellung der Betroffenen.“